In unserer Gesellschaft ist Tierquälerei kein Skandal.
Skandale sind gesellschaftliche Ausnahmen – Tierquälerei ist Routine.
Sie geschieht nicht im Verborgenen, sondern offen, organisiert und rechtlich abgesichert.

Gerade weil sie normal ist, gilt sie nicht als das, was sie ist: Gewalt.
Wenn in den Nachrichten von einem Hofbrand die Rede ist, bei dem 18.000 Puten starben, bleibt die Reaktion meist verhalten.
18.000 Tiere – eine Zahl, die schockieren sollte, aber oft nur als Randnotiz wahrgenommen wird.
Nicht, weil es sich nicht um fühlende Lebewesen handelt.
Puten empfinden Schmerz, Angst und Panik. Sie reagieren auf Gefahr, wie jedes Lebewesen es tun würde.
18.000. Eine Zahl, die für uns abstrakt bleibt.

Und selbst wenn sie auf den Titelseiten stünde, bliebe die zentrale Frage meist unbeantwortet: Warum waren so viele Tiere unter diesen Bedingungen zusammengepfercht?
Die Antwort liegt in der Normalität unseres Systems – in der alltäglichen Praxis, die Gewalt gegen Tiere reguliert, legalisiert und akzeptiert.
Gesetze erlauben sie, und die Sprache verharmlost sie. „Nutztiere“, „Tierwohl“, „Schlachtung“ – Worte, die unsagbares Leid verschleiern.
Dadurch, dass das Töten von Tieren in unserer Gesellschaft akzeptiert wird und als Normalität gilt, entwickeln wir im Laufe unseres Menschseins eine gewisse Abgestumpftheit.

Den kurzen, tiefen Schmerz, den wir fühlen, wenn wir ein gequältes Tier sehen, blenden wir aus, sobald unsere eigene Bequemlichkeit in Frage gestellt wird.
Die Ausbeutung von Tieren ist kein Skandal, weil sie keine Regeln bricht – sie ist Teil des Systems.
Die meisten Menschen sind gegen Tierquälerei. Das steht außer Frage. Aber wir denken nicht zu Ende. Wir denken nicht zu Ende, weil das Ergebnis wäre, dass wir unsere eigene Bequemlichkeit hinterfragen müssten, weil wir etablierte Denkmuster durchbrechen und uns mit unserer eigenen Widersprüchlichkeit auseinandersetzen müssten.

Wenn Tierquälerei alltäglich, legal und gesellschaftlich akzeptiert ist, was sagt das über uns aus?
Wir empfinden Mitgefühl, wir lieben Tiere, wir lehnen Gewalt ab – und doch beteiligen wir uns täglich an einem System, das genau diese Gewalt erzeugt.
Vielleicht ist das größte Problem nicht das Töten selbst, sondern unsere Gewohnheit, es zu akzeptieren.
Wenn wir wirklich Tierquälerei skandalös fänden, müssten wir unser eigenes Handeln hinterfragen. Die Frage bleibt: Sind wir bereit, diesen Schritt zu gehen – oder bleiben wir bequem und sehen -wieder mal - weg?


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